K9 — Schreiben: Von B1-Texten zu Abituraufsätzen ✍️

Strukturierte Argumentation, kohärente Absätze, präziser Stil.

K9.1 — Absatzlogik: Vom „B1-Text“ zum Abi-Absatz ✍️🧱

1) Ziel dieser Seite 🎯

Du lernst, Absätze so zu bauen, dass sie wie „Abi-Deutsch“ wirken: klar, logisch, überzeugend — und nicht wie eine lose Sammlung von Sätzen.

Am Ende kannst du:


2) Das Grundmodell (Abi-tauglich) ✅

Ein guter Absatz ist wie ein kleiner „Mini-Text“:

  1. Topic Sentence (Kernaussage)
    • Was behaupte ich in diesem Absatz?
  2. Begründung / Erklärung (Warum?)
    • Wieso ist das so? Welche Logik steckt dahinter?
  3. Beispiel / Beleg (Konkretes Material)
    • Ein Beispiel, eine Beobachtung, eine Zahl, eine Situation, ein Textbeleg.
  4. Mini-Fazit / Rückbindung (Schluss-Satz)
    • Was zeigt das Beispiel? Übergang zur nächsten Idee.

Merksatz: Behauptung – Begründung – Beispiel – Schluss.


3) RU↔DE: Was oft schiefgeht (und wie du es „deutsch“ machst) 🇷🇺↔🇩🇪

A) „Sprung-Logik“ statt sichtbarer Verknüpfung

➡️ Regel: Mindestens ein klarer Konnektor pro Absatz (oft sogar mehr), aber nicht übertreiben.

B) Zu lange Sätze ohne klare Struktur

Russisch toleriert komplexe Satzketten leichter; im Deutschen wirkt das schnell „schwammig“.

➡️ Regel: Lieber 2–4 gut strukturierte Sätze als 1 Monster-Satz.

C) „Ich finde“ / „Meiner Meinung nach“ zu oft

Für Abi-Argumentation klingt das schnell zu subjektiv oder repetitiv.

➡️ Besser (neutral):


4) Redemittel-Bank (Absatz-Bausteine) 🧩

Topic Sentence

Begründung

Beispiel / Beleg

Mini-Fazit / Rückbindung


5) Muster: „B1-Absatz“ → „Abi-Absatz“ 🔧

Ausgang (typisch B1)

„Viele Jugendliche sind oft am Handy. Das ist nicht gut. Sie reden weniger miteinander. Früher war es besser.“

Upgrade (Abi-Absatz nach dem Modell)

Ein zentraler Aspekt der heutigen Jugendkultur ist die starke Nutzung von Smartphones im Alltag. Dies liegt unter anderem daran, dass Kommunikation, Unterhaltung und Information über eine einzige Plattform jederzeit verfügbar sind. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass viele Gespräche in Pausen nicht mehr face-to-face stattfinden, sondern über Messenger weiterlaufen. Damit wird deutlich, dass Smartphones zwar soziale Kontakte erleichtern können, gleichzeitig aber direkte Kommunikation im Alltag teilweise verdrängen.


6) Übungen (mit steigender Schwierigkeit) 🧠

Ü1 — Baue den Absatz (Gerüst-Training) ✅

Schreibe einen Absatz zum Thema: „Schuluniformen: sinnvoll oder nicht?“
Nutze exakt dieses Gerüst (4 Sätze):

  1. Topic Sentence: …
  2. Begründung: …
  3. Beispiel: …
  4. Mini-Fazit: …

Zusatzregel: Verwende mindestens 2 Konnektoren (z.B. „zudem“, „allerdings“, „daher“).


Ü2 — Konnektoren richtig einsetzen (Logik sichtbar machen) 🔗

Verbinde die Sätze so, dass ein logischer Absatz entsteht (du darfst umstellen):

Pflichtwörter: „weil“, „allerdings“, „deshalb“.


Ü3 — „RU→DE“-Feinschliff (Stil neutraler machen) 🎓

Formuliere um (ohne „ich finde / meiner Meinung nach“):

  1. „Meiner Meinung nach ist Lesen wichtig, weil man klüger wird.“
  2. „Ich denke, dass Noten Stress machen und das ist schlecht.“

Ziel: sachlich + argumentativ, nicht emotional.


7) Mini-Check ✅

Wenn du deinen Absatz liest, kannst du alle Fragen mit „ja“ beantworten?


8) Spaß-Teil 🎭 — „Absatz wie ein Film-Trailer“

Denke an deinen Absatz wie an einen Trailer:

➡️ Schreib einen Trailer-Absatz zum Thema: „Künstliche Intelligenz im Unterricht“.

K9.2 — Erörterung schreiben: linear vs. dialektisch ✍️

(B1 → Richtung Abitur: klarer Aufbau, starke Argumente, passende Redemittel)


1) Ziel dieser Seite 🎯

Am Ende kannst du …

RU-Hinweis (kurz):
„Erörterung“ ≈ рассуждение / аргументированное эссе, aber im Deutschen ist die Text-Architektur oft strenger: klare These, klare Absätze, klare Verknüpfungen.


2) Zwei Standardformen ✅

A) Lineare Erörterung (eine klare Richtung)

Du argumentierst überwiegend pro ODER überwiegend contra und führst logisch zum Schluss.

Sinnvoll, wenn: deine Position ziemlich eindeutig ist.

Struktur:

  1. Einleitung: Thema + Relevanz + Leitfrage/These
  2. Hauptteil: Argument 1 → 2 → 3 (steigend: schwach → stark)
  3. Schluss: Ergebnis + Ausblick/Appell

B) Dialektische Erörterung (Pro und Contra)

Du zeigst beide Seiten, wägest ab und entscheidest am Ende.

Sinnvoll, wenn: die Frage gesellschaftlich kontrovers ist.

Zwei typische Modelle:

  1. Sanduhr-Modell (oft in Schule/Abi):
    • Pro → Contra → eigene Position (mit den stärksten Argumenten)
  2. Ping-Pong-Modell:
    • Pro 1 ↔ Contra 1 ↔ Pro 2 ↔ Contra 2 … (riskanter, wenn’s unübersichtlich wird)

3) Der „Abi“-Argument-Baustein 🧱 (den du immer wieder nutzt)

Ein Absatz im Hauptteil folgt idealerweise diesem Muster:

  1. These/Behauptung (1 Satz)
  2. Begründung (warum?)
  3. Beispiel/Beleg (realistisch, konkret: Alltag, Studie, Erfahrung, Vergleich)
  4. Mini-Fazit (Rückbindung an Leitfrage)

RU-Parallele: Im Russischen wirkt es manchmal stilistisch ok, länger „drumherum“ zu erklären.
Im Deutschen wirkt stark: früh sagen, was du meinst, dann begründen.


4) Redemittelbank 🇩🇪 (mit RU-Stütze)

Einleitung

Argumente strukturieren

Abwägen (dialektisch)

Schluss


5) Typische RU→DE Fehler (und wie du sie vermeidest) ⚠️


6) Übungsblock (mit steigender Schwierigkeit) ✅

Aufgabe 1 — Mini-Plan (leicht)

Thema: „Sollte das Smartphone im Unterricht verboten werden?“
Erstelle zwei Stichpunkt-Pläne:

  1. linear (pro Verbot): 3 Argumente (schwach → stark)
  2. dialektisch: 2 Pro + 2 Contra + deine Position

Aufgabe 2 — Absatz bauen (mittel)

Schreibe einen Hauptteil-Absatz nach dem Baustein:

Vorgaben:

Aufgabe 3 — Stil-Upgrade (anspruchsvoll)

Formuliere diese Sätze „abi-tauglicher“ um:

  1. „Viele Leute sind süchtig nach Handy und das ist schlecht.“
  2. „Man kann mit Handy auch lernen, aber es stört.“
  3. „Ich denke, Verbot ist besser, weil sonst Chaos.“

7) Musterlösungen (kompakt) 🧩

Lösung zu Aufgabe 1 (Beispiel)

  1. Linear (pro Verbot)

    1. weniger Ablenkung durch Nachrichten
    2. mehr aktive Mitarbeit und Gespräch im Unterricht
    3. fairere Lernbedingungen (weniger Social-Media-Druck, weniger heimliche Nutzung)
  2. Dialektisch

    • Pro: Konzentration steigt; weniger Cybermobbing/heimliches Filmen
    • Contra: Smartphones als Lernwerkzeug (Recherche, Apps); Notfälle/Organisation
    • Position: Teilweises Verbot: im Unterricht aus, gezielt für Aufgaben an

Lösung zu Aufgabe 2 (Beispiel-Absatz)

„Ein Smartphone-Verbot kann die Konzentration im Unterricht deutlich verbessern, weil die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten und sozialen Medien viele Lernende aus dem Arbeitsfluss reißt. Ein Beispiel dafür ist eine Gruppenarbeit, bei der einzelne Schülerinnen und Schüler immer wieder auf den Bildschirm schauen und dadurch wichtige Erklärungen verpassen. Dadurch entstehen Rückfragen, der Arbeitsprozess verlangsamt sich und die ganze Gruppe verliert Zeit. Insgesamt kann ein Verbot daher dazu beitragen, dass Unterrichtsphasen effizienter genutzt werden.“

Lösung zu Aufgabe 3 (mögliche Upgrades)

  1. „Ein Teil der Bevölkerung nutzt das Smartphone exzessiv, was langfristig problematische Folgen für Aufmerksamkeit und Wohlbefinden haben kann.“
  2. „Zwar können Smartphones als Lernwerkzeug sinnvoll sein, jedoch besteht gleichzeitig ein erhebliches Ablenkungspotenzial.“
  3. „Meiner Ansicht nach ist eine klare Regelung sinnvoll, da ohne verbindliche Grenzen schnell Unruhe entsteht und Unterrichtszeit verloren geht.“

8) Mini-Check ✅

Beantworte für deinen Text:

  1. Habe ich eine Leitfrage/These in der Einleitung?
  2. Hat jeder Absatz ein klares Argument + Beispiel?
  3. Nutze ich Konnektoren, ohne sie zu übertreiben?
  4. Ist mein Schluss eine Entscheidung (nicht nur Wiederholung)?

K9.3 — Analyse schreiben: Einleitung–Hauptteil–Schluss (mit Textbelegen) ✍️📖

Ziel: Du lernst, einen (Sach‑)Text systematisch zu analysieren und dabei klar zu belegen (Zitat/Zeile/Beispiel), statt nur „nachzuerzählen“.


1) Grundidee (RU → DE): Analyse ist nicht Nacherzählung

Merksatz: „Zusammenfassung = WAS. Analyse = WIE + WARUM + WIRKUNG.“


2) Das Standard-Gerüst (Abi-tauglich) 🧱

  1. Einleitung (kurz, informativ, ohne Meinung)

    • Textsorte, Autor, Titel, Jahr/Quelle (falls vorhanden)
    • Thema
    • These/Intention des Autors (was will er erreichen?)
    • ggf. Adressatenbezug (an wen richtet sich das?)
  2. Hauptteil (geordnet + belegt)

    1. Inhaltsgang in 2–4 Sätzen (sehr knapp!)
    2. Argumentationsstruktur
      • These → Argumente → Beispiele/Belege → Schlussfolgerung
      • Argumenttyp: Fakten, Experten, Beispiele, Emotion, „wir“-Appell usw.
    3. Sprachliche Mittel & Stil
      • Wortwahl (wertend/neutral, metaphorisch, ironisch)
      • Satzbau (kurz/knapp vs. komplex; viele Nebensätze = „gelehrt“)
      • Rhetorik (Fragen, Übertreibung, Vergleich, Metapher, Antithese …)
    4. Wirkung
      • Was bewirkt das beim Leser? (Vertrauen, Empörung, Zustimmung …)
  3. Schluss

    • kurzes Fazit: Wie überzeugend? Warum?
    • ggf. Grenzen/Einseitigkeit
    • optional: kurzer Ausblick (nicht ausufern)

3) Belegen richtig: „Behauptung → Beleg → Erklärung“ 🎯

Regel: Jede Analyse-Aussage braucht mindestens ein Fundament.

Mini-Formel (DE):

RU-Hinweis (typischer Fehler):
Viele schreiben wie auf Russisch „общими словами“ (allgemein). Im Deutschen wird in der Schule Belegpflicht erwartet: Textarbeit.


4) Satzstarter & Redemittel (für Analyse) 🧰

Einleitung

Argumentation beschreiben

Sprache/Wirkung

Bewertung im Schluss


5) Mini-Beispiel (mit „Textbelegen“ – simuliert)

Mini-Text (fiktiv, sehr kurz):
„Viele Jugendliche schlafen zu wenig. Das ist gefährlich. Schulen sollten später beginnen, denn die Konzentration leidet und Fehler nehmen zu.“

Analyse-Satz (Muster):
„Der Autor verwendet eine alarmierende Tonlage („gefährlich“) und setzt auf kurze, apodiktische Sätze („Das ist gefährlich.“), um Dringlichkeit zu erzeugen und die Forderung nach späterem Schulbeginn zu legitimieren.“


6) Übungen (mit Lösungen) ✅

Aufgabe 1 — „WAS oder WIE?“ (Sortieren)

Ordne zu: Z = Zusammenfassung (WAS), A = Analyse (WIE/WARUM/WIRKUNG).

  1. „Der Autor fordert einen späteren Schulbeginn.“
  2. „Die Wortwahl ist wertend und erzeugt Druck beim Leser.“
  3. „Zuerst nennt der Text ein Problem, dann eine Lösung.“
  4. „Die rhetorische Zuspitzung soll Zustimmung auslösen.“

Lösung:

  1. Z
  2. A
  3. A (Struktur = wie aufgebaut)
  4. A

Aufgabe 2 — Belegpflicht trainieren (aus „allgemein“ → „belegt“)

Mach aus den Sätzen Analyse mit Beleg (füge „z. B.“ + „Z.“ hinzu; wenn du keinen echten Text hast, nutze „(Z. x)“ als Platzhalter).

  1. „Der Autor will überzeugen.“
  2. „Der Text ist emotional.“

Musterlösung:

  1. „Der Autor zielt auf Überzeugung, indem er seine Forderung mit Gründen stützt, z. B. durch … (Z. 5–7), wodurch …“
  2. „Der Text wirkt emotional durch wertende Ausdrücke wie „…“ (Z. 3) und dadurch …“

Aufgabe 3 — Schreibe eine Einleitung (3–4 Sätze)

Schreibe eine Einleitung zu einem Text, dessen Angaben du so einsetzt:

Musterlösung:
„Im Kommentar „Zu früh in die Schule?“ von Nina Berger, erschienen 2024 in einer Online-Zeitung, wird das Thema des frühen Schulbeginns und dessen Einfluss auf den Schlaf von Jugendlichen behandelt. Die Autorin vertritt die These, dass Schulen später beginnen sollten. Ziel des Textes ist es, die Leserinnen und Leser von der Notwendigkeit dieser Änderung zu überzeugen.“


7) Mini-Checkliste (vor dem Abgeben) 🔍

K9.4 — Zusammenfassung / Abstract: objektiv, knapp, korrekt ✍️📌

🎯 Lernziele (heute)


1) Was ist eine gute Zusammenfassung? (RU→DE erklärt) 🇷🇺↔🇩🇪

Definition

Was NICHT rein darf


2) Standard-Aufbau (Abi-tauglich) 🧱

  1. Einleitungssatz (1–2 Sätze)

    • Textsorte + Autor + Titel + Thema + (optional) Anlass/Quelle/Jahr
  2. Hauptteil (kompakt, logisch geordnet)

    • Kernaussage 1 → wichtigste Begründung/Beleg
    • Kernaussage 2 → wichtigste Begründung/Beleg
    • ggf. Gegenposition / Einschränkung
    • Schlussgedanke des Textes
  3. Schlusssatz (1 Satz)

    • Ergebnis/Fazit des Autors (nicht dein eigenes!)

Merksatz: „Was steht drin?“ — nicht: „Wie finde ich das?“


3) Sprache: typische Formulierungen (Redemittelbank) 🧰

Neutral einführen

Inhalte wiedergeben (ohne Wertung!)

Konnektoren (sehr wichtig für Abi-Kohärenz)


4) RU→DE Stolpersteine (und bessere Lösungen) ⚠️


5) Mini-Muster: Einleitung + Hauptteil (Schema) 🧾

Einleitung (Beispiel-Template):
„Im [Textsorte][Titel]“ von [Autor] (Quelle: [Medium], [Jahr]) wird das Thema [Thema] behandelt.“

Hauptteil (Beispiel-Template):


6) Übungen (mit steigender Schwierigkeit) ✅

Ü1 — Sortieren: Was gehört in die Zusammenfassung?

Ordne zu: Z (= Zusammenfassung) oder M (= Meinung/Analyse).

  1. „Der Autor argumentiert, dass Social Media die Aufmerksamkeitsspanne verkürzt.“
  2. „Ich finde, das stimmt nur teilweise.“
  3. „Der Text ist polemisch geschrieben.“
  4. „Als Beleg nennt der Autor Studien zu Nutzungszeiten.“
  5. „Die Argumentation ist unlogisch.“

Ü2 — Kürzen (B1→B2/C1)

Kürze auf einen neutralen Satz:

„Der Autor erklärt sehr ausführlich, dass viele Jugendliche ständig am Handy sind, was wirklich schlimm ist, und dass die Schule deshalb strenger sein sollte.“

Ziel: ohne Wertung, kurz, inhaltlich korrekt.


Ü3 — 7-Satz-Zusammenfassung

Schreibe eine Zusammenfassung mit genau 7 Sätzen:

Regeln: keine Ich-Form, keine Bewertung, max. 120 Wörter.


7) Lösungen / Musterantworten 🧩

Lösung zu Ü1

  1. Z
  2. M
  3. M
  4. Z
  5. M

Lösung zu Ü2 (Muster)

„Der Autor argumentiert, dass Jugendliche das Handy häufig nutzen und deshalb strengere Regeln an Schulen nötig seien.“

(neutral, kurz, kein „schlimm“)


8) Mini-Check ✅

Beantworte ehrlich (Ja/Nein):


🎭 Spaß-Teil: „Clickbait entfernen“

Nimm einen wertenden Satz und mache ihn neutral (wie in einer seriösen Zusammenfassung):

K9.5 — Stilkorrektur: typische „RU-Spuren“ entfernen ✍️🇩🇪↔🇷🇺

Ziel: Du schreibst klarer, natürlicher und „abi-tauglicher“, ohne dass der Text „übersetzt“ klingt. Heute arbeiten wir mit Fehlermustern (RU→DE) und bauen dir Anti-Fehler-Satzschablonen.


1) Die häufigsten RU→DE-Transferfehler (mit Fix)

1.1 Wortstellung: „Verbklammer“ & Position von Satzteilen 🧱

Problem: Russisch erlaubt viel Freiheit, Deutsch ist strenger: Verb = Gerüst.

Merksatz (DE): Im Hauptsatz steht das finite Verb auf Position 2. Nur ein Block darf davor stehen (Vorfeld).

RU-Hinweis: В русском порядок слов часто служит для акцента, в немецком — ещё и для грамматики.


1.2 „Ich denke, dass…“ zu oft + zu direkte Übersetzung 🗣️

Problem: RU „Я думаю, что…“ wird im Deutschen schnell stilistisch schwer.


1.3 Artikel (der/die/das) fehlen oder „gefühlt“ gesetzt 🎯

Problem: Russisch hat keine Artikel, Deutsch nutzt sie als Signal (Bekanntheit, Kategorie, Kasus).

RU-Hinweis: В немецком артикль — это не „лишнее слово“, а маркер структуры.


1.4 „Man“ vs. „wir/ich“: unpersönlich, aber elegant 🎭

Problem: RU nutzt oft unpersönliche Strukturen („можно“, „нужно“, „следует“). Deutsch kann das auch — aber mit passenden Mitteln.

Gute deutsche Optionen:

Achtung: In argumentativen Texten ist „man“ okay, aber nicht in jedem Satz.


1.5 „Sehr/total“ zu oft → präziser Wortschatz 🎯

Problem: RU „очень“ → DE „sehr“ ist korrekt, wirkt aber schnell monoton.

Upgrades (je nach Kontext):


1.6 „Das ist …“ als Satzstarter zu oft → variieren 🧠


1.7 Präpositionen (RU-Fallen) 🧭

Typische Paare, die hängen bleiben müssen:

Mini-Regel: Verben + Präpositionen sind oft feste Einheiten (wie im RU „управление“).


1.8 Kommas & Nebensätze: „dass/weil/obwohl“ ✅

Problem: Im RU sind Kommas anders; im DE sind sie strukturentscheidend.


2) Anti-Fehler-Schablonen (zum Nachbauen) 🧩

  1. These formulieren

    • Die zentrale Frage ist, ob …“
    • Im Folgenden wird gezeigt, dass …“
  2. Begründen

    • Dies liegt vor allem daran, dass …“
    • Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass …“
  3. Einschränken (Abi-typisch!)

    • Allerdings darf nicht übersehen werden, dass …“
    • Zwar …, doch …“
  4. Beispiel geben

    • Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass …“
    • Ein Beispiel hierfür ist …“
  5. Folgern

    • Daraus folgt, dass …“
    • Somit lässt sich festhalten, dass …“

3) Übungen (mit steigender Schwierigkeit) ✅

Übung A — „Ent-Russifizieren“ (Wortstellung + Stil)

Formuliere natürlicher:

  1. „Ich denke, dass heute viele Menschen haben keine Zeit.“
  2. „Das ist sehr wichtig Problem für Gesellschaft.“
  3. „Man muss machen mehr Sport, weil Gesundheit ist wichtig.“

Übung B — Artikel & Präpositionen

Korrigiere:

  1. „Ich interessiere mich auf Politik.“
  2. „Viele Jugendliche verbringen Zeit in Internet.“
  3. „Wir diskutieren über dieses Thema schon lange Zeit.“

Übung C — Abi-Upgrade (2 Sätze → 1 guter Satz)

Verbinde stilistisch:

  1. „Soziale Medien sind populär. Sie beeinflussen die Kommunikation.“
  2. „Es gibt viele Vorteile. Es gibt auch Nachteile.“

4) Lösungen / Muster (zum Vergleichen) 🧾

Lösung A

  1. „Ich denke, dass heute viele Menschen keine Zeit haben.“
    • Upgrade: „Heute haben viele Menschen kaum Zeit.“
  2. „Das ist ein sehr wichtiges Problem für die Gesellschaft.“
    • Upgrade:Für die Gesellschaft ist das ein zentrales Problem.“
  3. „Man sollte mehr Sport treiben, weil Gesundheit wichtig ist.“
    • Upgrade: „Mehr Bewegung ist sinnvoll, da sie die Gesundheit fördert.“

Lösung B

  1. „Ich interessiere mich für Politik.“
  2. „Viele Jugendliche verbringen Zeit im Internet.“
  3. „Wir diskutieren über dieses Thema schon seit Langem.“

Lösung C

  1. „Soziale Medien sind populär und beeinflussen die Kommunikation nachhaltig.“
  2. „Neben zahlreichen Vorteilen gibt es jedoch auch erhebliche Nachteile.“

5) Mini-Check ✅

Beantworte für deinen nächsten Text kurz:

  1. Steht im Hauptsatz das Verb wirklich auf Position 2?
  2. Habe ich „ich denke“ durch mindestens 2 Alternativen ersetzt?
  3. Habe ich Artikel bewusst gesetzt (nicht „gefühlt“)?
  4. Nutze ich Konnektoren (allerdings, somit, zwar…doch) statt „und“?
  5. Sind weil/dass/obwohl-Sätze korrekt mit Komma + Verb am Ende?

6) Spaß-Teil: „RU-Style“ vs. „DE-Style“ 🎬

Nimm einen Satz, den du auf Russisch spontan sagen würdest (z.B. über Schule, Arbeit, Social Media) und schreibe ihn:

  1. zuerst wörtlich übersetzt (RU-Style)
  2. dann natürlich auf Deutsch (DE-Style, 1–2 Varianten)

K9.6 — Schreibprojekt: vollständiger Abi-Text + Feedback-Raster ✍️📘

1) Ziel & Ablauf (DE, kurz — später „denken wir auf Deutsch“)

Du schreibst einen kompletten Abitur-Text (argumentativ), bekommst ein Korrektur-Raster und machst danach eine gezielte Überarbeitung (wie im echten Abi: erst planen, dann schreiben, dann verbessern).

Ablauf in 3 Schritten:

  1. Planen (10–15 Min.)
    • Thema verstehen → Position finden → 2–3 Argumente + Gegenargument.
  2. Schreiben (45–70 Min.)
    • Einleitung → Hauptteil (strukturierte Absätze) → Schluss.
  3. Überarbeiten (15–25 Min.)
    • Mit Raster prüfen: Inhalt/Struktur/Sprache/Grammatik.

2) Schreibauftrag (Abi-nahes Thema)

Thema: „Sollten Smartphones im Unterricht grundsätzlich erlaubt sein?“

Schreibe eine dialektische Erörterung (Pro & Contra) und komme zu einem klar begründeten Urteil.

Rahmen:


3) Planungsbogen (zum Ausfüllen) 🧠

Tipp: Wenn du B1→C1 willst, ist Planung die Abkürzung.

  1. These / Leitfrage (1 Satz):
    • „Ich untersuche, ob …“
  2. Meine Position (vorläufig):
    • eher dafür / eher dagegen / differenziert
  3. Pro-Argumente (2–3):
  4. Contra-Argumente (1–2) + Entkräftung:
    1. Contra: … → Entkräftung: …
  5. Beispiele/Belege (mind. 2):
    • Beispiel 1: …
    • Beispiel 2: …
  6. Schluss-Satz (stark & klar):
    • „Insgesamt überwiegen …, deshalb …“

4) Redemittelbank (C1-tauglich, aber sicher) 🧩

Einleitung

Argumente strukturieren

Gegenargument einbauen

Fazit


5) Typische RU→DE-Fallen (Mini-Check) 🇷🇺↔🇩🇪

Diese Punkte prüfst du am Ende extra:


6) Feedback-Raster (Selbstkorrektur + für mein Feedback) ✅

Bewerte jeden Punkt 0–2 (0 = fehlt, 1 = teilweise, 2 = stark). Maximal 20.

  1. Aufgabenbezug: Antwortet der Text wirklich auf die Leitfrage?
  2. These & roter Faden: klare Linie, keine Sprünge
  3. Absatzlogik: jeder Absatz = 1 Idee + Begründung + Beispiel
  4. Abwägung: Pro/Contra fair dargestellt
  5. Schluss: eindeutiges, begründetes Urteil
  6. Konnektoren: sinnvoll, abwechslungsreich (jedoch, daher, hingegen …)
  7. Wortschatz: präzise, eher bildungssprachlich (ohne „aufgesetzt“)
  8. Grammatik: Satzbau, Zeiten, Kasus/Artikel
  9. Zeichensetzung: Kommas in Nebensätzen, keine „Komma-Lotterie“
  10. Stil: sachlich, keine russische Satzlogik 1:1 übertragen

7) Abgabeformat 📩

Schick mir deinen Text so:

  1. Wortzahl
  2. Text
  3. (optional) Deine Selbsteinschätzung nach Raster (z.B. „1:2, 2:1, …“)

Dann bekommst du von mir:


8) Spaß-Teil (kurz, aber effektiv) 🎭

Formuliere eine deiner Aussagen einmal:

Das trainiert Registerwechsel — extrem abi-relevant.